Die letzten Tage im September sind an der Deutschen Weinstraße der Übergang zwischen Sommerfesten und Erntezeit. In diesem Jahr fällt er deutlich aus: Der Dürkheimer Wurstmarkt ist am 21. September zu Ende gegangen, die Weinlese läuft seit Wochen, und am heutigen Freitag eröffnet in Neustadt an der Weinstraße das Deutsche Weinlesefest. Der folgende Überblick fasst zusammen, was bis Mitte Oktober zwischen Bad Dürkheim, Wachenheim, Forst und Neustadt ansteht.
Deutsches Weinlesefest in Neustadt: 18 Festtage ab dem 25. September
Das Deutsche Weinlesefest in Neustadt an der Weinstraße ist das größte Winzerfest Deutschlands und dauert in diesem Jahr vom 25. September bis zum 12. Oktober. Den Auftakt bildet am Eröffnungsabend die Krönung der neuen Deutschen Weinmajestät im Neustadter Saalbau. Parallel öffnet das Pfälzer Winzerdorf „Haiselscher" in der Innenstadt, in dem die Pfälzer Winzer ihre Weine ausschenken und regionale Spezialitäten serviert werden; es bleibt über die gesamte Festzeit bis zum 12. Oktober geöffnet.
Zu den weiteren Programmpunkten gehören der Jahrmarkt vom 2. bis 12. Oktober und das w.i.n.e.FESTival mit dem historischen Spiegelpalast „Bon Vivant" und einem mediterranen Garten auf dem Hetzelplatz. Die Wahl und Krönung der Pfälzischen Weinhoheiten findet am 2. Oktober im Saalbau statt. Den Abschluss bildet am Sonntag, 11. Oktober, der Große Winzerfestumzug, der ab 13.30 Uhr mit über hundert Festwagen, Musikzügen und Fußgruppen durch die Neustadter Innenstadt zieht.
An den Wochenenden wird die Innenstadt voll; Bahn und Bus sind dann die entspanntere Alternative – vom Neustadter Bahnhof sind es nur wenige Minuten zu Fuß ins Festgeschehen.
In den Weinbergen: eine ungewöhnlich frühe Lese
Der Jahrgang 2026 ist an der Weinstraße früher dran als in den meisten Jahren. Nach Angaben des Deutschen Weininstituts begann die Lese für den Federweißen bereits in der zweiten Augustwoche, rund eine Woche früher als im Mittel der vergangenen fünf Jahre. Wenig später folgte die Hauptweinlese, die in diesem Jahr für die meisten Betriebe so früh einsetzte wie noch nie.
Zwei Beobachtungen prägen diese Lese aus Sicht der Winzer:
- Der heiße, trockene Sommer hat die Trauben ungewöhnlich schnell reifen lassen und gleichzeitig sehr gesund gehalten; von größeren Schäden berichten die Betriebe nicht.
- Die Beeren sind wegen der Trockenheit kleiner als üblich, wodurch der Gesamtertrag geringer ausfällt, die Mostgewichte aber hoch liegen.
Das Deutsche Weininstitut erwartet deshalb einen zügigen Verlauf der Ernte, weil derzeit viele Rebsorten gleichzeitig reif werden. Für Spaziergänge und Wanderungen durch die Weinberge bedeutet das: In diesen Tagen ist in den Rebzeilen viel Bewegung, und die Wege zwischen den Lagen sind streckenweise von Traktoren und Erntefahrzeugen mitbenutzt. Wer unterwegs ist, hält am besten etwas Abstand zu den Fahrzeugen und bleibt auf den markierten Wegen – Anregungen für passende Strecken finden sich in unserem Beitrag Wandern rund um Forst an der Weinstraße.
Federweißer: der Wein der Stunde
Deutlich sichtbar ist die Lesezeit auch im Glas. Federweißer – je nach Region auch Neuer Wein, Rauscher, Süßer oder Bitzler genannt – ist teilweise gegorener Traubenmost und wird frisch, spritzig und süß getrunken, klassischerweise zu Zwiebelkuchen oder Flammkuchen. Auch eine rote Variante gibt es, sie wird als Roter Rauscher oder Federroter angeboten.
Ein paar Eigenschaften sollte man kennen, bevor die Flasche mit nach Hause geht:
- Federweißer gärt in der Flasche weiter. Deshalb wird er stehend gelagert, und die Flaschen sind bewusst nicht dicht verschlossen, damit die Kohlensäure entweichen kann.
- Er ist kein Wein zum Aufheben: aufrecht und kühl lagern, zügig trinken. Der Alkoholgehalt steigt von Tag zu Tag und liegt laut Deutschem Weininstitut idealerweise bei rund fünf Prozent.
Wer Federweißer aus der Region probieren möchte, findet ihn zurzeit in vielen Straußwirtschaften, Hofverkäufen und Weinprobierstuben entlang der Weinstraße – wo eine Verkostung unkompliziert möglich ist, erklärt unser Beitrag Weinprobe ohne Anmeldung in Forst.
Forst: Woiständ'l bis Ende Oktober geöffnet
In Forst an der Weinstraße läuft der Weinprobierstand, das „Woiständ'l", noch bis zum letzten Sonntag im Oktober, also bis zum 25. Oktober. Geöffnet ist er an Sonn- und Feiertagen von 11 bis 19 Uhr. Ausgeschenkt werden Weine aller Forster Weingüter und des Forster Winzervereins – zum gleichen Preis wie im jeweiligen Weingut, auf Wunsch auch als Flasche zum Mitnehmen.
Geöffnet ist damit an den kommenden Sonntagen: 27. September sowie – mit dem Feiertag am 3. Oktober – am 3. und 4. Oktober, danach am 11., 18. und 25. Oktober. Der Probierstand liegt mitten im Ort und lässt sich gut mit einem Spaziergang durch die Weinberge oder mit der Lagenwanderung durchs Kirchenstück verbinden; Hintergründe zu den Lagen und Betrieben bieten Forster Kirchenstück: die berühmte Weinlage und Weingüter rund um Forst.
Ein Tipp für Wanderer: Die Hütte am Eckkopf, dem 516 Meter hohen Hausberg zwischen Deidesheim, Forst und Wachenheim, wird an Wochenenden und Feiertagen von Vereinen der Region bewirtschaftet. Der 25 Meter hohe Aussichtsturm auf dem Gipfel erlaubt bei klarer Sicht einen Rundblick bis in den Pfälzerwald; Zustiege gibt es unter anderem von Forst, Deidesheim und Wachenheim.
Rund um Deidesheim und Wachenheim
Auch in den Nachbarorten ist der Herbst programmatisch angekommen.
In Deidesheim läuft der Herbstausschank des Winzervereins im Innenhof noch bis zum 11. Oktober. Dabei kann man zusehen, wie die Winzer frisch gelesene Trauben in den Hof bringen, und dazu neuen Wein probieren. Am Samstag, 3. Oktober, findet außerdem die Deidesheimer Jazzwanderung statt: Der Rundweg führt von 10.30 bis 18 Uhr über vier Jazzstationen mit Live-Musik durch die Weinlagen von Deidesheim und Ruppertsberg, Start ist am Weingut von Winning; die Schluss-Session läuft ab 16.30 Uhr im Deidesheimer Schwimmbad. Karten gibt es im Vorverkauf.
In Wachenheim beginnt die Pfälzer Keschdezeit: Am Samstag, 3. Oktober, und noch einmal am Samstag, 17. Oktober, startet jeweils um 13 Uhr eine Kastanienwanderung durch Wald und Weinlagen. Treffpunkt ist das Gästeschild vor der Kirche St. Georg. Die Route führt über die Wachenheimer Lagen Gerümpel, Goldbächel und Altenburg zum Odinstal und weiter zum Pechsteinkopf; zum Abschluss gibt es Kastaniensaumagen im Weingut Manz. Die Wanderstrecke beträgt rund fünf Kilometer, die Dauer etwa vier Stunden, die Teilnahme kostet 39 Euro pro Person inklusive Begrüßungssekt, Jutesäckchen und Essen.
Die Esskastanie steht ohnehin im Mittelpunkt des Pfälzer Herbstes: Die Pfälzer Keschdewochen laufen vom 1. Oktober bis 15. November, in denen Gastronomie, Märkte und geführte Touren die Kastanie aufgreifen.
Termine im Überblick
- Deutsches Weinlesefest, Neustadt: 25. September bis 12. Oktober; Pfälzer Winzerdorf „Haiselscher" durchgehend, Jahrmarkt 2. bis 12. Oktober, w.i.n.e.FESTival mit Spiegelpalast ab 1. Oktober
- Krönung der Deutschen Weinmajestät: Freitag, 25. September, Saalbau Neustadt
- Wahl der Pfälzischen Weinhoheiten: Freitag, 2. Oktober, Saalbau Neustadt
- Großer Winzerfestumzug Neustadt: Sonntag, 11. Oktober, ab 13.30 Uhr
- Forster Woiständ'l: Sonn- und Feiertage 11 bis 19 Uhr, letzter Öffnungstag Sonntag, 25. Oktober
- Herbstausschank Winzerverein Deidesheim: bis 11. Oktober
- Deidesheimer Jazzwanderung: Samstag, 3. Oktober, 10.30 bis 18 Uhr
- Kastanienwanderung Wachenheim: Samstag, 3. Oktober und Samstag, 17. Oktober, jeweils ab 13 Uhr
- Pfälzer Keschdewochen: 1. Oktober bis 15. November
Praktische Hinweise für die kommenden Wochen
- Anreise: Neustadt und Deidesheim sind mit der Bahn gut erreichbar – während des Weinlesefestes die angenehmste Option.
- Landstraßen: In der Lesezeit verkehren vermehrt Traktoren und Erntefahrzeuge; rechnen Sie zwischen den Orten mit langsameren Fahrzeugen und Verschmutzungen auf der Fahrbahn.
- Weinberge: Bitte bleiben Sie auf den Wegen und pflücken Sie keine Trauben – die Flächen gehören den Betrieben.
- Federweißer: Aufrecht und kühl transportieren, zügig trinken; der Alkoholgehalt steigt während der Gärung weiter.
- Abende: In den Weinbergen und Ortskernen wird es nach Sonnenuntergang spürbar kühler – eine Jacke ist kein Luxus.
Einkehr in Forst
Wer die kommenden Wochen für einen Ausflug an die Weinstraße nutzt, kann den Tag in Forst ausklingen lassen. Bei uns im Gasthaus Ungeheuer bekommen Sie Forster Weine aus der unmittelbaren Nachbarschaft – vom Lagenriesling bis zu kräftigeren Vertretern – sowie regionale Küche, die zur Jahreszeit passt. Für den kleinen Rahmen gibt es den Wein-Flight mit mehreren Gläsern zum Vergleich, für den Nachmittag im Weinberg den Picknick-Rucksack. Reservierungen sind über unser Reservierungsformular möglich, alle Termine der Region finden Sie im Veranstaltungskalender.
Wir wünschen Ihnen eine schöne Weinlesezeit – und einen guten Tropfen aus dem Jahrgang 2026.